1989
19. Januar

Erich Honecker ist überzeugt: "Die Mauer... wird in 50 und auch in 100 Jahren noch bestehen bleiben!"

(Morgenmagazin vom 16. Januar 2009)
5. Februar

Der 20-jährige Chris Gueffroy wird von Genzsoldaten erschossen. Die Schüsse auf Chris Gueffroy und Christian G. sind die letzten Todesschüsse an der Berliner Mauer.

(heute-Sendung vom 23. Februar 1989)
1. Mai

700.000 Menschen nehmen am 1. Mai 1989 an einem viereinhalbstündigen Aufmarsch für Frieden und Sozialismus in Ost-Berlin teil. Auch in anderen Bezirken der DDR finden große Demonstrationen statt.

(heute-Sendung vom 01. Mai 1989)
7. Mai

Unabhängige Bürgergruppen, die die Stimmenauszählung in den Wahllokalen überwachen, überführen die SED der Fälschung der Kommunalwahlergebnisse.

(heute-Sendung vom 07. Mai 1989)
21. Juli

Die Ausmaße des wirtschaftlichen Desasters in der DDR werden immer sichtbarer: Der Zustand der Industrieanlagen, die Bausubstanz der Altstädte, der Straßen sowie Luft- und Wasserverschmutzung belegen dies. Auch Versorgungsmängel sind Zeugnis der Misswirtschaft. Selbst DDR-Medien greifen die Problematik zaghaft auf.

(heute-Sendung vom 21. Juli 1989)
8. August

In mehreren diplomatischen Vertretungen der Bundesrepublik im Ostblock, u.a. Budapest und Ost-Berlin, halten sich zahlreiche DDR-Bürger auf, die ihre Ausreise in den Westen erzwingen wollen.

Die Ständige Vertretung der BRD in Ost-Berlin, die von rund 130 DDR-Bürgern besetzt ist, wird geschlossen: die Kapazitätsgrenze ist erreicht.

DDR-Bürger vor der Ständigen Vertretung der BRD in Ost-Berlin am 08. August 1989 (Quelle: dpa)
14. August

Die Botschaft in Budapest wird geschlossen, in der sich 171 Fluchtwillige aufhalten.

(heute-Sendung vom 14. August 1989)
19. August

Das "Ungarische Demokratische Forum" und weitere Oppositionsgruppen haben unter der Schirmherrschaft des Europa-Abgeordneten Otto von Habsburg und des ungarischen Reformpolitikers Imre Pozsgay (Mitglied des Politbüros der USAP und Staatsminister) zu einem "paneuropäischen Picknick" an die ungarisch-österreichische Grenze bei Sopron geladen. Die symbolische Öffnung eines Grenztores und eine "einmalige, okkasionelle Grenzüberschreitung" soll für einen Abbau der Grenzen und ein geeintes Gesamteuropa stehen.

Es kommen so fast 500 DDR-Bürger über die ungarische Grenze nach Österreich.

(heute-Sendung vom 19. August 1989)
22. August

Die Botschaft in Prag wird geschlossen. In ihr halten sich rund 140 Fluchtwillige auf.

Nachdem die Botschaft in Prag geschlossen wurde, wurde auf dem Außengelände ein Zeltlager für ausreisewillige DDR-Bürger errichtet. (Quelle: dpa)
4. September

Auftakt der Montagsdemonstrationen: Rund 1.000 Menschen versammeln sich in Leipzig und fordern Freiheit und mehr Rechte. Die Sicherheitskräfte reagieren mit Gewalt.

(heute journal vom 04. September 1989)
10. September

Das "Neue Forum", die Bürgerbewegung "Demokratie jetzt" und die Gruppe "Demokratischer Aufbruch" verfassen ihre Gründungsaufrufe. Einleitend wird darin festgestellt: "In unserem Lande ist die Kommunikation zwischen Staat und Gesellschaft offensichtlich gestört."

Informationsstand des "Neuen Forums" im Berliner Fernsehturm am 08.12.1989 (Quelle: dpa)
11. September

Die ungarische Regierung öffnet in der Nacht zum 11. September die Grenze zu Österreich für DDR-Bürger. Gleichzeitig kündigt sie das gegenseitige Abkommen mit der DDR von 1969, das beiden Ländern untersagte, Staatsbürger des jeweils anderen Landes in den Westen ausreisen zu lassen. Zehntausende DDR-Bürger reisen in den nächsten Tagen und Wochen über Österreich in die Bundesrepublik aus.

Erste DDR-Flüchtlinge kommen in der Nacht vom 11. September 1989 in Westdeutschland an, nachdem Ungarn die Grenzen geöffnet hatte. (Quelle: imago)
30. September

Nach Verhandlungen mit der UdSSR und der DDR verkündet der bundesdeutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher in Prag die Ausreiseerlaubnis für etwa 6.000 Flüchtlinge.

"Wir sind heute zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise ..." Die letzten drei Worte "... möglich geworden ist." gingen unter im Jubel im Park des Palais Lobkowicz.

(heute-Sendung vom 01. Oktober 1989)
1. Oktober

Erste Sonderzüge aus Warschau und Prag mit DDR-Flüchtlingen durchqueren die DDR.

(heute-Sendung vom 01. Oktober 1989)
7. Oktober

In Berlin findet die zentrale Festveranstaltung zum 40. Jahrestag der DDR-Gründung statt. Am Nachmittag gibt es erste Proteste auf dem Alexanderplatz. Zur gleichen Zeit trifft Erich Honecker Michail Gorbatschow im Schloss Niederschönhausen. Die Demonstranten skandieren auf dem Weg vom Alexanderplatz zum Palast der Republik "Gorbi, Gorbi!". Gegen Abend kommt es zu massiven Gewaltanwendungen durch die Sicherheitskräfte im Berliner Bezirk "Prenzlauer Berg".

(heute-Sendung vom 07. Oktober 1989)
9. Oktober

"Tag der Entscheidung" in Leipzig: An der Montagsdemonstration in Leipzig nehmen knapp 75.000 Menschen teil. Die SED-Führung schreckt vor dem Einsatz militärischer Gewalt zurück.

(heute-Sendung vom 10. Oktober)
16. Oktober

Mehr als 100.000 Menschen demonstrieren in Leipzig. Sie fordern die Zulassung des "Neuen Forums", freie Wahlen sowie Reise-, Presse- und Meinungsfreiheit. Auch parallele Demonstrationen mit rund 10.000 Teilnehmern in Dresden und Magdeburg, 5.000 in Halle und 3.000 in Berlin verlaufen friedlich.

Menschenmassen in Leipzig am 16. Oktober 1989 (Quelle: dpa)
18. Oktober

Ein erbitterter Machtkampf im SED-Politbüro endet mit dem Sturz Erich Honeckers, der gezwungen wird, seinen Abgang im SED-Zentralkomitee mit gesundheitlichen Gründen zu erklären. Egon Krenz löst Honecker als SED-Generalsekretär ab.

(Aktuelle Kamera vom 18. Oktober 1989)
4. November

DDR-Bürger dürfen über die Grenze der Tschechoslowakei in den Westen reisen. In Prag verlassen die ersten DDR-Flüchtlinge die Botschaft und fahren mit Sonderzügen in die Bundesrepublik Deutschland.

(heute-Sendung vom 04. November 1989)
8. November

Nach dem geschlossenen Rücktritt der DDR-Regierung kommt es zur Neuwahl des Politbüros, in dem nun auch Reformer vertreten sind.

Egon Krenz und Günter Schabowski am Abend des 8. November 1989 im Gespräch mit Demonstranten (Quelle: AP)
9. November

Die SED verkündet am Abend im Fernsehen, ab sofort gelte Reisefreiheit.

(heute-Sendung vom 09. November 1989)

Diese in ihrem Zustandekommen nicht völlig geklärte Ankündigung führt zur Öffnung der Mauer und zu einer euphorischen Feier an vielen Grenzübergängen. Gegen 21.30 Uhr stürmen die ersten DDR-Bürger in den Westteil Berlins. Auch an den Übergängen der innerdeutschen Grenze strömen Tausende DDR-Bürger in den Westen.

(heute-Sendung vom 10. November 1989)